Konstruktive Kommunikation


Im Sprachgebrauch rund um das Thema Digitalisierung und Innovation stößt man immer wieder auf den Begriff „disruptiv“, der das Veränderungs- oder – näher an der ursprünglichen Bedeutung – Störpotential einer neuen Technologie auf bestehende Prozesse oder Märkte ausdrücken soll. Und das mag ja durchaus zutreffen. Trotzdem dienen Neuerungen nicht allein dem Selbstzweck, sondern lösen bestehende Probleme oder bedienen eine gewisse Nachfrage. Veränderung um der Veränderung willen ist selten konstruktiv. Und das sollte sich auch in der Kommunikation zu diesen Themen widerspiegeln. Da geht es wie so oft um Semantik (was vom Sender ausgeht muss noch lange nicht entsprechend beim Empfänger resonieren), und vor dem übermäßigen Gebrauch von vermeintlich wirkungsvollen Schlagworten sollte deren Kontext und Bedeutung untersucht und verstanden werden. Anbieter neuer Technologien mögen „disruptiv“ als Synonym für Innovation und Verbesserung verwenden. Verschiedene wichtige Zielgruppen wie Kunden, Geschäftspartner oder Investoren haben gegebenenfalls eine andere Auffassung des Begriffs und verbinden diesen eher mit einer Bedrohung des Status Quo oder gar mit Problemen, womit sie laut Oxford Dictionary auch nicht ganz falsch lägen. Ein solches „Missverständnis“ kann konstruktiven Partnerschaften durchaus im Weg stehen stehen. Daher sollte die Kommunikation auf eindeutig positive Botschaften und Aussagen setzen, um Kunden beispielsweise aufzuzeigen, welche Vorteile sie aus neuen Technologien und Prozessen gewinnen und welche Kosteneinsparungen sie dadurch erzielen können. In vielen Pitches – von Fintechs und anderen Innovatoren – lassen sich diese Botschaften noch vermissen. Denn bereits bei der Ansprache von Investoren, sicher dem ersten Schritt auf dem langen Weg zum Unternehmenserfolg, muss der Mehrwert eines neuen Produktes für den Kunden sowohl im B2B- als auch B2C-Bereich klar dargestellt werden. Schlussendlich gilt es dann, auch Geschäftspartner – zum Teil etablierte Unternehmen aus der „alten Welt“ – davon zu überzeugen, dass man gemeinsam einen bestehenden Markt weiterentwickeln oder einen neuen schaffen kann. Ganz allein und „disruptiv“ geht es selten – auf lange Sicht.